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THEMA: WO DIE KRISE AM MEISTEN WÜTET
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WO DIE KRISE AM MEISTEN WÜTET vor 2 Jahren, 10 Monaten Karma: 0  
Wo die Krise am schlimmsten wütet

24.03.08: Von Paul C. Martin

Die Bänder in der Automobil-Industrie stehen still, ebenso die Kräne in den Häfen, Waren „Made in Germany“ lassen sich zur Zeit nur schwer verkaufen.
Dramatische Folge: Die Konjunktur bricht immer stärker ein – die Wirtschaftsforschungs-Institute legen beinahe täglich Schock-Zahlen vor. Den Negativ-Rekord hält die Commerzbank: Deren Ökonom Jörg Krämer sieht die deutsche Wirtschaft um bis zu sieben Prozent einbrechen!

Kaum ein Wirtschaftszweig kann sich dem Abwärtssog entziehen. Manche Experten sehen die Zahl der Arbeitslosen auf 5 Millionen hochschnellen.
Welche Branche trifft es am härtesten?

1. METALL- UND ELEKTROINDUSTRIE (ca. 3,5 Millionen Beschäftigte)
Deutschlands Schlüssel-Industrie. Produktion liegt fast ein Viertel unter Vorjahr. Aufträge: minus 40 Prozent! Ausblick: Trübe. Grund: Stark fallende Nachfrage auf dem Weltmarkt.

2. AUTOMOBILSEKTOR (740 000 Beschäftigte, davon fast 20 Prozent in Kurzarbeit)
Besonders gebeutelt ist der Lkw-Sektor: Auftragsminus im Januar: 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei Aufbauten und Anhängern ein Minus von 90 Prozent! Ausblick branchenweit ähnlich wie bei Opel: negativ. Grund: Käuferstreik trotz Abwrackprämie. Vor allem große Automobile gelten derzeit als out. Dazu unklare Rechtslage (Kfz-Steuer, CO2-Probleme).

3. CHEMIE / PHARMA (410 000 Beschäftigte)
Der größte Konzern (BASF) hat ca. 90 Anlagen stillgelegt. Pharma-Gigant Bayer stark verschuldet (Schering-Übernahme), dazu Patentprobleme in den USA. Ausblick der Branche: verhalten. Konkrete Prognosen verkneifen sich die Bosse. Grund: Von China bis zu den USA Unsicherheit über den weiteren Verlauf der weltweiten Wirtschaftskrise.

4. VERSICHERUNGSWIRTSCHAFT (280 000 Beschäftigte)
Geschäftslage so lala. Bei Neuabschlüssen, z. B. Lebensversicherungen, sind die Kunden wählerischer geworden. Grund: Die Versicherungen können keine gesicherten Angaben über die Abschlussleistungen geben. Die Zinsen der Papiere, in denen sie ihr Geld anlegen, geben nach. Außerdem: Das nach wie vor ungelöste Problem des US-Versicherungs-Giganten AIG, der mit windigen Anlagen (sog. „Müll-Papieren“) vollgestopft ist und schon zu fast 80 Prozent verstaatlicht werden musste.

5. MASCHINENBAU (860 000 Beschäftigte)
Deutschlands Spitzenbranche und Weltmarktführer. Kann aber derzeit wenig Positives melden. Auftragseinbruch schon im vorigen Herbst um 16 Prozent. Die Nachfrage aus dem Ausland: minus 19 Prozent – schlechtester Wert seit 2002.
Katastrophaler Januar: Der Auftragseingang brach um 42 Prozent ein – schlimmster Monat seit 1958! Grund: Seit Monaten immer stärker bröckelnde Nachfrage wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise. Ausblick für die mittelständisch geprägte Branche: Statt dem für 2009 erwarteten Produktionsplus von fünf Prozent dürfte eher ein fettes Minus stehen.

6. STAHL (82 000 Beschäftigte)
Stahlpreise seit Sommer 2008 im freien Fall: Stahlrollen fast halbiert, Stahlplatten und -barren minus 60 bis 80 Prozent (Quelle: MEPS). Der weltgrößte Stahlhersteller ArcelorMittal fuhr seine Produktion um 15 Prozent zurück, ähnlich die deutschen Stahl- Giganten ThyssenKrupp und Salzgitter. Grund: Es wird weniger Baustahl benötigt, viele Baustellen liegen rund um den Globus still. Die Autoindustrie steckt in der Krise – von Toyota bis GM. Der Schiffbau genauso – die Frachtraten sind um mehr als 80 Prozent gefallen. Viele Schiffe liegen still bzw. werden als Zwischenlager für unverkäufliche Waren genutzt. Also weniger Nachfrage. Ausblick 2009: Negativ. Zieht die Nachfrage der Großabnehmer nicht an, ist mit weiterem Preisverfall zu rechnen.

7. HANDEL, GASTSTÄTTEN, VERKEHR (9,8 Millionen Beschäftigte)
Erbitterte Preiskämpfe um jeden Kunden. Ergebnis: Die Verbraucherpreise sind weltweit auf dem Rückmarsch, in einigen Ländern (USA, GB, Japan, Teile des Euroraums) bahnt sich eine Deflation an (= sinkendes Preisniveau). Langlebige Verbrauchsgüter (TV, Waschmaschinen, PCs usw.) werden schon seit Jahren immer billiger.

Der Abwärtstrend könnte sich verschärfen. Grund: Wer wartet, könnte zu Schnäppchenpreisen zuschlagen. Je mehr aber gewartet wird, desto schneller fallen die Preise. Farbfernseher und Computerbildschirme seit 2005: Preisverfall um 45 Prozent, sogar bei Bodenstaubsaugern minus sieben Prozent.

Internationale Handelsketten wie Metro haben ein Doppel-Problem mit ihren Firmen in Osteuropa: Weniger Kauflust und stark fallende Kurse von Währungen wie Zloty (Polen) oder Forint (Ungarn).
Verkehr: Zwischen Hannover und Berlin ist die Zahl der Lkw auf der Autobahn um ein Drittel geschrumpft. Schon mehr als 1000 Pleiten im Transportgewerbe.

Gaststätten: Geschäfte laufen normal, teilweise sogar gut und besser als im Vorjahr. Grund: Man will sich noch was gönnen und in froher Runde das Krisengerede vergessen.

8. BANKEN (230 000 Beschäftigte)
Ganz heiße Platte! Die Kurse der Aktien weltweit um bis zu 95 Prozent gefallen. Commerzbank z. B. seit Sommer 2007 von 37,50 auf 2,90 heute. Grund: Die Bilanzen stecken immer noch voller fauler Papiere und Kredite.

Ausblick: Alle warten auf das Bankenprogramm von US-Finanzminister Timothy Geithner. Er will mit bis zu einer Billion Dollar öffentlicher und privater Gelder den Banken die so genannten Müllpapiere abkaufen. Damit hätten sie wieder freies Geld, um neue Kredite vergeben zu können. Problem allerdings: Finden sich auch genug Menschen, die sich in diesen unsicheren Zeiten (Angst vor Jobverlust) verschulden wollen?

KLARTEXT: Noch tapern wir durch dunklen Forst. Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), sieht die Lage „heute weniger optimistisch als im letzten Quartal“ (Kölner Stadtanzeiger). Und: Die Zahl der Arbeitslosen könnte „im schlimmsten Fall“ auf vier Millionen steigen (Februar: 3,5 Mio.).
 
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WO DIE KRISE AM MEISTEN WÜTET
Eurodealer 24.03.2009 15:35
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