Susanne Wiest:
Wie in den letzten Tagen überall zu lesen, zu hören und zu sehen war, hat die Greifswalder Tagesmutter Susanne Wiest über die Online-Petitionswebsite des Deutschen Bundestags ihr gutes Recht als Staatsbürgerin wahr genommen und eine
Petition zur Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens eingereicht.
Das Ergebnis ist mit 52.976 Mitzeichnenden mehr als überwältigend. Vor allem wenn Mensch bedenkt, dass die durchschnittliche Petition ca. 300 Mitzeichnende hat. Wie konnte es dazu kommen? Es scheint so, dass das Web dabei eine nicht unbedeutende Rolle spielte.
So schreibt Welt Online dazu:
>>>Die Geschichte der Petition ist ein Lehrstück darüber, wie sich Formen direkter Demokratie im Multimedia-Zeitalter durchsetzen können und wie mit Hilfe des Internets aus einem privaten Ansinnen eine kleine Bürgerbewegung werden kann.
Ende Januar sprach Wiest auf einem Kongress in Hannover über ihre Idee. Die Rede landete als Film auf Youtube, wurde fast 12.000 Mal geklickt. Im späteren Verlauf hat sich der Hinweis auf die Petition rasant über das soziale Netzwerk von „Twitter“ verbreitet. „Ich bin wirklich keine Internetaktivistin“, sagt Susanne Wiest. „Es ist einfach etwas ins Rollen geraten.“ <<<
Inzwischen ist Wiests Rede sogar schon über 17.000 Mal auf Youtube angesehen worden … auch ein respektabler Wert. Aber auch der Verweis auf die diesbezüglich wichtige Rolle von Twitter ist meiner Ansicht nach völlig richtig. So wurde auch ich auf diese Petition via Twitter aufmerksam und habe in der Folge stetig mitbekommen, dass immer wieder auf die Petition hingewiesen und die Mitzeichner/inen -Anzahl stetig durchgegeben wurde.
Wieder mal ein Beweis, dass ein solcher Vernetzungsdienst, der wie Twitter oftmals als die Spitze der Belanglosigkeit verschrien wird, durchaus eine gesellschaftspolitische Relevanz haben kann. Natürlich liest Mensch auf Twitter viel für ihn oder sie belangloses, aber eben nicht nur! Aber damit spiegelt Twitter schlichtweg die Realität des sozialen Wesens Mensch wieder.
Auch wenn mein Tag offiziell blockweise in Arbeits- und Freizeit eingeteilt wird, ist dies nur eine bestimmte Art wie versucht wird, die monatlichen Zahlungen vom Arbeitgeber zu rechtfertigen. In Wahrheit gibt es keine wirkliche Trennung zwischen Arbeits- und Freizeit. Es gibt nur eine Trennung zwischen der Zeit, die ich am Arbeitsplatz verbringe und der, die ich nicht dort verbringe. Oft mache ich aber am Arbeitsplatz private Dinge und in der so genannten Freizeit berufliches. Und ähnlich heterogen wie die Arbeits- und Freizeitsache ist auch Twitter. Dort kann ich jederzeit auf etwas für mich belangloses Treffen. Aber es kann sich dort auch um solche Themen wie etwa das bedingungslose Grundeinkommen drehen. Und erfahrungsgemäß ist die Grenze zwischen belanglos und nicht belanglos eine sehr schwammige und in jedem Fall auch subjektive.
Dass aber gerade viele Nutzer und Nutzerinnen von Twitter so auf das Thema Online-Petition für ein bedingungsloses Grundeinkommen angesprungen sind, wundert mich ehrlich gesagt überhaupt nicht. Twitter ist wie auch Blogs oder Soziale Netzwerke ein Bestandteil des Social Webs. In dem Begriff stecken zwei sehr zentrale Worte drin: “Sozial” und “Netz”, und darum geht es doch auch in einem bedingungslosen Grundeinkommen: Das soziale Netzwerk eines Staates.
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