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In solch einem System ist auch alles „Sparen“ zur Schuldenreduzierung sinnlos.
Sobald weniger Kredite nachgefragt werden, können die Zinserträge nicht mehr über zusätzliche Schulden finanziert werden und es kommt zu einer Deflationskrise. Dieses System lebt von der immer mehr ausufernden Verschuldung – ist diese nicht mehr finanzierbar, bricht es zusammen.
Der zweite Fehler im Geldsystem beruht darauf, daß Ausgleichsmechanismen zwischen den Staaten beseitigt werden:
Feste Wechselkurse oder Einheitswährungen (Euro)
Was immer wieder übersehen wird, ist die Tatsache, daß die Länder weltweit und innerhalb Europas völlig unterschiedliche Gegebenheiten wie die Strukturierung der Wirtschaft (mehr landwirtschaftlich oder mehr industriell), Klima (kalt, gemäßigt oder heiß) und auch die Einstellung zur Arbeit (mehr oder weniger z.B. zu Streiks neigend) aufweisen. Ein eigener Währungsraum hat nun die Aufgabe jedes dieser unterschiedlichen Gebiete wirtschaftlich mit einer eigenen, angepaßten Währungspolitik zu stabilisieren. Der Ausgleichsfaktor oder Währungspuffer ist der freie Wechselkurs. Der Wechselkurs macht eine Aussage darüber, wieviel Geldeinheiten des einen Staates aufgebracht werden müssen, um eine Geldeinheit eines anderen Währungsraumes zu erhalten. Es wird also damit ausgedrückt, wie viele Euro beispielsweise jemand für einen Dollar bezahlen muß, wenn er Euro in US-Dollar tauschen möchte. Man unterscheidet hier zwischen einem flexiblen und festen Wechselkurs. Wird der Währungspuffer oder sogar das eigenständige Zahlungsmittel eines Staates beseitigt, so hat dies, wie wir noch sehen werden, fatale Auswirkungen auf die künftige Entwicklung des Landes..
Zunehmende Ungleichgewichte
Bisher hat jede Abschaffung freier Wechselkurse zu einem Crash geführt.
Das zuerst sichtbare Problem des festgesetzten Wechselkurses bzw. des Euro-Systems ist das steigende Mißverhältnis zwischen Import und Export: Da in unserem Beispiel die schwachen Länder immer mehr hinter der Wirtschaftsleistung des Industrielandes hinterherhinkt und eine Anpassung über den Wechselkurs ausbleibt, gibt es für das Ausland immer weniger Grund die teuren Waren des schwachen Landes zu kaufen. Die Exporte werden also im Vergleich zu den Importen zurückgehen - es entsteht ein sogenanntes Handelsbilanzdefizit. Das bedeutet jedoch, daß sich die Volkswirtschaft des Entwicklungslandes im Ausland verschulden muß, um die fehlende Differenz zwischen Importen und Exporten finanzieren zu können. Es kommt also schon allein durch die immer höheren Zinslasten an das Ausland zu steigenden Spannungen.
Daneben steigt auch die Verschuldung der Unternehmen des schwächeren Staates im Ausland an. Weil im allgemeinen der Zinssatz für Kredite in stärkeren Staaten kleiner ist als in einem schwachen Land, werden vermehrt Verpflichtungen im Ausland eingegangen. Da der feste Wechselkurs diesen Kapitaltransfer nicht unterbinden kann, expandiert die Schuldenaufnahme der Unternehmen stark. Die Hoffnung besteht darin, die Schulden zum günstigeren Zinssatz über die festgesetzte Austauschrate jederzeit zurückzahlen zu können. Eine Hoffnung, die allerdings, wie wir noch sehen werden, enttäuscht werden muß.
Ein weiterer Störfaktor bei festgelegten Wechselkursen ist die einsetzende Kapitalflucht. Viele Bürger in dem schwachen Land trauen der eigenen Währung nicht und versuchen in das Geld stärkerer Staaten (wie den US-Dollar) zu wechseln. Ein flexibler Wechselkurs würde dem durch eine Abwertung der eigenen Währung entgegenwirken, was im festgezurrten Modell jedoch unmöglich ist und die Notenbank dazu zwingt, die Zinssätze auf höhere Niveaus anzuheben. Dies bringt wiederum die Unternehmen weiter unter Druck und zwingt zu noch stärkerer Aufnahme von Krediten im Ausland.
Nach einigen Jahren zunehmender Instabilität erkennen finanzkräftige internationale Spekulanten die verwundbare Lage der Staaten und erhöhen den Druck auf den Wechselkurs dadurch, daß sie sich in dem schwachen Land kräftig verschulden und sofort in harte Währung über den festen Wechselkurs umwechseln. Dies zwingt die Notenbank dazu, vermehrt Devisenreserven einzusetzen, um den künstlich festgezurrten Wechselkurs stabil zu halten. Dies ist jedoch nur begrenzte Zeit möglich und sobald die Reserven verpulvert sind, muß der Wechselkurs freigegeben werden. Dieser fällt dann jedoch nicht auf das ökonomisch angemessene Niveau eines flexiblen Kurses, sondern sinkt durch panikartige Kapitalflucht auf einen weit niedrigeren Wert. Die Spekulanten können dann die kurzfristigen Schulden über einen weitaus günstigeren Wechselkurs zurückbezahlen und streichen kräftige Währungsgewinne ein. Übrig bleibt dann ein Land mit hoher Auslandsverschuldung, welche zum Vielfachen des vorigen Wertes zurückbezahlt werden muß, weil die inländische Währung durch die Krise stark abgewertet wurde.
Die Ursachen für alle Währungskrisen der letzten Jahre waren in festen Wechselkursen zu suchen. Egal ob Crash des Europäischen Währungssystems, Mexiko-, Rußland-, Brasilien- oder Argentinienkrise – in jedem Fall führte der festgesetzte Wechselkurs zu einer schweren Krise.
Noch viel schlimmer jedoch als feste Wechselkurse ist die Etablierung einer Einheitswährung wie dem Euro. Dann sind überhaupt keine Währungsanpassungen mehr möglich und es baut sich Sprengstoff zwischen den Staaten auf.
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