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Keine Angst
Keine Angst vor zu vielen Schulden, denn wir brauchen sie. Auch keine Angst vor zu wenig Schulden, denn sie wachsen weiter. Vor allem keine Angst vor großen Zahlen, denn sie versteht sowieso keiner. Der MADchester- Kapitalismus, diese riesige, sich über alles hinwegwälzende Vermögenslawine, sie nimmt wieder an Fahrt auf. Wir sind nur in einem kurzen Tal. Danach wird die Gewalt nur noch umso stärker sein. Wir wissen ja nicht einmal auch nur annähernd, was wir verloren haben.
Mitte November lese ich in einer Kolumne von Marc Faber, dass er die Verluste durch die gegenwärtige Finanzkrise auf 100 Billionen Dollar schätzt. Die Kapitalisierung der Weltbörsen habe sich von 60 Billionen auf 30 Billionen halbiert, schreibt er, und der Rest stamme aus dem Preiskollaps am Rohstoffmarkt, der Immobilienkrise sowie den Risikoabschlägen der Unternehmensanleihen. Damit sei die gegenwärtige Krise bei weitem die größte Krise aller Zeiten.
In Hans A. Berneckers "Die Actien Boerse" finde ich am letzten Wochenende hingegen völlig anders. Er schreibt nämlich: "Die Summe aller Verluste im Finanzsektor werden mit 1.500 Mrd USD veranschlagt ... Der Börsenwert aller Märkte schrumpfte in der Krise um rd. 9.000 Mrd. USD (ohne Staatsunternehmen). Das wäre etwa das 6fache des genannten Finanzschadens ..., was zeigt dass der Grundsatz der Verhältnismässigkeit keineswegs erfüllt ist. Es ist deutlich überzogen worden."
Wie Sie jetzt sehen, sehen Sie nichts. Die Zahlen haben nicht im Entferntesten etwas miteinander zu tun. Zudem sind die Ausgangpunkte völlig verschieden und die Ergebnisse erst recht.
Und noch ein Beispiel: In einem Blog findet sich das hier: "Die US-Neuverschuldung ist im ersten Monat des Fiskaljahres 2008/2009 regelrecht explodiert. Unfassbare 550 Mrd. Dollar neue Schulden im Monat Oktober bzw. 17,8 Mrd. Dollar an einem Tag, 739,3 Millionen in einer Stunde und 12,4 Millionen Dollar in einer Minute, so die erschütternde Bilanz im Oktober!"
Doch ist das nun wirklich so schlecht? In einem wegweisenden Aufsatz von Gunnar Heinsohn in neuen Ausgabe der Zeitschrift "Cicero" zeigt dieser auf, dass die Immobilienkrise nebst Staatsverschuldung für die demografisch rapide wachsenden USA kein Problem darstellen, wohingegen wir Europäer trotz seriöserer Bilanzen viel eher in eine Dauerkrise geraten werden. Also weg mit den Zahlen, denn sie sind formbarer als Weihnachtsmarzipan.
Und man vergesse nicht: Die Explosion der Staatshaushalte weltweit bedeutet eine gleichgerichtete Explosion des Vermögens des privaten Sektors. Denn Staatsbonds stellen ein Nettovermögen dar. Jeder, der ein derartiges Teil kauft, vertraut auf dessen Werthaltigkeit, was man am besten daran sieht, dass die kurz laufenden Treasuries in den USA mittlerweile eine Rendite von null ausweisen. Doch schuldig zur Rückzahlung fühlt sich niemand. Das ist zwar verrückt, aber dennoch ein Fakt.
Sie wird also bald wieder weiterrollen, die riesige Lawine. Keine Angst daher. Schluss mit der Klimakatastrophe und den Einschränkungen. Jetzt wird erst richtig geklotzt.
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