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Aw: Gib mir die Welt plus 5% (1 Leser) (1) Gast
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THEMA: Aw: Gib mir die Welt plus 5%
#320
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#321
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#448
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Aw: Gib mir die Welt plus 5% vor 3 Jahren, 9 Monaten Karma: 0  
Das schwierige Thema Geldanlage

Der alte Fruehling, jetzt ist er endlich in voller Pracht da, und mit ihm auch eine ganze Menge Argumente, die ebenso wie er in jedem Zyklus erneut wiederkehren. Es sei doch ueberall genug Geld vorhanden, so lautet eine gaengige Ueberlegung, sehr viel Geld, das aus den fallenden Maerkten abgezogen wur- de und jetzt nach einer Anlage suche. Das Geld sei also auf der Suche nach einer Anlage. Und das wuerde in Zukunft die Kurse und Preise an den Maerkten wieder in die Hoehe treiben.

Wir sind hiermit beim schwierigen Thema Geldanlage angekommen. Und dieses Thema ist schon alleine deswegen so schwierig, weil es so etwas wie eine Geldanlage gar nicht gibt. Die Geldanlage ist nichts anderes als eine Fee, die nachts auf Mondwiesen tanzt. Davon kann man zwar traeumen, aber dennoch gibt es so etwas nicht.

Ja, obwohl alle Welt staendig von der Geldanlage redet, gibt es so etwas ueberhaupt nicht. Sie haben richtig gehoert: Es gibt keine Geldanlage! Geld kann nicht angelegt werden, denn Geld bleibt immer Geld.

Geld ist kein Samen, den man irgendwo hinein stopft und damit bewirkt, dass anschliessend etwas waechst, dessen Fruechte man hinterher ernten kann. Geld ist vielmehr etwas ganz Nuechternes. Ein Zahlungsmittel. Mit Geld kann man etwas be- zahlen, mehr nicht. Geld ist von einem Konto auf ein anderes zu transferieren, doch Geld kann niemals und in keinem Fall angelegt werden.

Der Irrglaube von dem Anlage suchenden Geld und der Geldanlage basiert auf der ueblichen Verwechslung der Menschen zwischen dem Teil und dem Ganzen. Der kleine Moritz macht etwas, und es gelingt. Und weil dem so ist, glaubt er sogleich, die gesamte Welt funktioniere nach demselben Prinzip. Doch dabei verkennt er, dass er nur der kleine Moritz ist und die Welt folglich ausschliesslich aus der Moritzperspektive betrachtet.

Verlassen wir jedoch einmal die Moritzperspektive und schwingen uns auf, das Gesamtsystem des Geldes aus einer uebergeordneten Position heraus zu betrachten, dann sehen wir ganz anderes. Dann sehen wir die ganzen kleinen Moritze, die aus ihrer Moritzperspektive heraus ihr Geld anlegen. Und wir se- hen, dass jeder Moritz fuer sich durchaus sein Geld anlegen kann. Denn er kauft fuer sein Geld Aktien, woraufhin sein Geld weg ist und die Aktien da sind. Er hat folglich sein Geld angelegt.

Doch was dem einzelnen Moritz moeglich ist, ist der Gesamt- heit der kleinen Moritze noch lange nicht moeglich. Schliesslich hat sich das Geld, was unser Moritz fuer die Aktien gegeben hat, nur fuer ihn selbst in Aktien gewandelt. Fuer die Gesamtheit hat sich das Geld jedoch keinesfalls in Aktien gewandelt, sondern ist nur vom Konto des einen Moritz auf das Konto des anderen Moritz gewandert – und ist deshalb auch weiterhin in unverminderter Hoehe noch da.

Und nicht anders ist es bei allen anderen "Geldanlagen" und Gueterkaeufen. Das Geld wird durch Kaeufe und Anlagen niemals weniger, es hat hinterher immer nur ein anderer Moritz. Aus diesem Grunde kann es auch kein Geld geben, das auf der Suche nach Anlage ist. Weil es diese Anlage nie erreichen kann und die gesamte Argumentation damit vollkommen sinnlos und irre- fuehrend ist. Wer also steigende Kurse an den Boersen prophezeien will, muss sich daher komplett andere Argumente suchen.

Bernd Niquet ist Boersenkolumnist und Buchautor.
 
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#461
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Aw: Gib mir die Welt plus 5% vor 3 Jahren, 8 Monaten Karma: 0  
Das grosse Problem der Politik


Manchmal kann einem die Politik richtig leid tun. Da haben sich die Politiker in den hinter uns liegenden mageren Jahren schon so sehr auf das Sparen eingestellt, doch ploetzlich werden sie von der guten Wirtschaftslage regelrecht ueberrollt und damit auch von einem altvertrauten Problem wieder eingeholt: Fuer die naechsten Jahre sind enorme Steuermehreinnahmen in Aussicht gestellt. Und das bedeutet fuer die bedraengte Kaste der Politik, dass jetzt heftig darueber gestritten werden muss, wie dieses Geld wieder unter die Leute gebracht werden muss.

Denn von der Budgetsanierung darf man zwar sprechen, man darf sie jedoch niemals tatsaechlich durchfuehren! Das ist eines der wichtigsten Gesetze des modernen demokratischen Prozesses! Denn an der Budgetsanierung sind schliesslich nur einige wenige Reiche interessiert, die Angst haben um die Staatsfinanzen. Doch diese kleine Gruppe besitzt viel zu wenig Waehlerstimmen, um den entsprechenden politischen Parteien die(Wieder-) Wahl zu sichern.

Die Mehrheit bilden hingegen diejenigen, denen alles scheissegal ist, ausser dem Geldverteilen. Folglich muss dem Politiker, um wiedergewaehlt zu werden, auch alles scheissegal sein ? ausser dem Geldverteilen.

Den Anfang hat die CSU gemacht, die den Pauschalpendlern das Geld, fuer das man keine andere Verwendung hat, geben moechte. Die Pauschalpendler, sagt die CSU, muessen unbedingt entlastet werden, weil sie ansonsten nicht mehr pendeln koennen und das fuer unser gesamtes Volk von grossem Schaden waere.

Die CDU findet das zwar nicht besonders gut, im Prinzip jedoch richtig. Doch da der Wahltermin erst in anderthalb Jahren ist, will man auch erst Mitte 2009 genau benennen, welche Waehlerstimmen man sich dann kaufen moechte. Weil es eben unklug waere, das schon jetzt zu sagen. Denn dann haben die Menschen es bis dahin sicherlich schon laengst vergessen.

Die SPD moechte die Pendlerpauschale nicht nur den Pauschalpendlern zukommen lassen, sondern mit der Geringverdiener- Pauschale politisch reuessieren. Den Gruenen und den Linken hingegen ist sowieso egal, woher das Geld kommt, das sowieso immer in das Kindergeld und den unteren Einkommensschichten pauschaliert zufliessen muss. Nur von der FDP hoert man gegenwaertig nichts, doch diese Partei hat sich wohl zwischenzeitlich aufgeloest, weil sie gemerkt hat, dass ihre Prinzipien in der heutigen Zeit keinen Bestand mehr haben koennen.

Herrschte also noch bis zur Abwahl des Agenda-2010-Kanzlers eine grosse Konkurrenz, an jeder Ecke des Bundeshaushaltes Geld einzusparen, so sieht sich die Politik mittlerweile jedoch wieder mit dem normalen Langfriststreit konfrontiert, wer das Geld am besten verausgaben kann. Und da sind sie ja alle ziemlich gut und in etwa gleich versiert. Die Wahlergebnisse werden also weiterhin knapp bleiben. Und die Zeiten pendeln sich wieder auf ihr Normalniveau ein.

Bernd Niquet ist Boersenkolumnist und Buchautor.
 
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#630
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Sind Märkte tatsächlich irrational? von Bernd Niquet

Neulich schrieb mir ein Leser, die Kurse an den Märkten befänden sich derzeit auf einem lächerlichen Niveau. Daraufhin fragte ich zurück, was er denn konkret damit meine, lächerlich hoch oder lächerlich niedrig?

Als Antwort bekam ich die folgende Liste:
-Standardaktien USA: grotesk hoch,
-Standardaktien EUR: zu hoch,
-Rohstoffaktien: deutlich unterbewertet,
-Edelmetalle: viel zu niedrig,
-Leitzinsen USA: zu niedrig,
-Leitzinsen EUR: zu hoch,
-Langfristzinsen weltweit: grotesk zu niedrig,
-USD: grotesk überbewertet.

Das ist wie ein Blick in ein Gehirn, denke ich. Auch ohne diesen Menschen näher zu denken, kann ich jetzt genau sagen, wie er denkt, woran er glaubt und was er befürchtet. Doch mir geht noch etwas anderes dabei im Kopf herum: Anscheinend glauben wir heute alle, klüger als der Markt zu sein.

Nach der Effizienzmarkttheorie bringt der Markt stets die vorhandenen Informationen in bestmöglicher Weise hervor, und niemand kann prinzipiell klüger als der Markt sein. Darüber mag man anlässlich vielfach zu beobachtender Marktkapriolen schmunzeln und daran mag man auch zweifeln. Doch niemand sollte vergessen, dass hier die Wurzeln unserer gesamten Wirtschaftsverfassung und Demokratie liegen! Ziel jeder freien Wirtschaftsverfassung ist es nämlich, die dezentral verstreuten Informationen sich in optimaler Weise über einen Abstimmungsprozess (=Markt) bündeln zu lassen.

Dahinter steht der Glaube, dass das Ergebnis dieses Prozesses jeder Einzelmeinung überlegen ist. Doch was für ein merkwürdiger Befund, dass wir das zwar so entschieden haben und dies auch immer wieder vertreten, es jedoch anscheinend selbst nicht glauben. Weil wir uns überlegen fühlen. Und ich schließe mich keinesfalls aus, schließlich gehe auch stets davon aus, dass viele Dinge entweder über- oder unterbewertet sind - und es von daher lukrativ ist, sie zu kaufen oder zu verkaufen.

Doch ist es eigentlich legitim, das zu tun? Je länger ich darüber nachdenke, desto ehe tendiere ich dazu, diese Frage zu verneinen. Natürlich können wir stets versuchen, die Wahrnehmung der Millionen von Händler und Marktteilnehmer zu hinterfragen, die sie dazu treiben, die Kurse so festzusetzen, wie sie sie gerade festsetzen. Doch erinnert das nicht eher an den Witz vom Insassen in der Psychiatrie, der sich selbst für den Pfleger und den Pfleger für den Insassen hält?

Kann es nicht vielleicht wirklich sein, dass der Verlauf der Märkte in der gegenwärtigen Finanzkrise gar noch so irrational ist. Zuerst hat man nicht an die Größenordnung der Kalamitäten geglaubt. Menschen sind jedoch so. Natürlich waren einige schlauer. Doch was ist eigentlich mit denjenigen, die in den Jahren 2000 bis 2003 dem DAX den größten Verlust in seiner Geschichte beschwert haben, einen Verlust, der sich größer zeigte als sogar derjenige in den Schicksalsjahren von 1929 bis 1933? Da waren anscheinend auch viele vermeintlich "schlauer". Doch deren Schlauheit hat sich im Endeffekt als Dummheit heraus gestellt.

Märkte bilden also - im Unterschied zur konventionellen Weisheit - niemals die Faktenlage ab, sondern stets und immer den Glauben von Menschen. Und wenn Menschen an Untergang glauben, dann ist Untergang. Das ist rational. Ich akzeptiere daher den heftigen Kursrutsch zum Ende dieser Woche. Die Menschen glauben jetzt an Schlimmeres. Und ich akzeptiere diese Weisheit.

Doch ob es sich nun um eine Über- oder Unterbewertung handelt, darüber akzeptiere ich, keine Aussage machen zu können. Denn dazu müsste ich ja glauben, dass der Markt die Fakten abbildet, was jedoch nicht der Fall ist. Das Einzige, was ich also gegenwärtig recht sicher weiss, ist, dass Menschen gemeinhin recht schnell wieder die Lust am Untergang verlieren. Und dass man wirtschaftliche Untergänge an den Finanzmärkten zwar antizipieren, aber niemals direkt herbeiführen kann.
 
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