Auch
die Schuldigen will Müller erkannt haben
Glaubte man Müller, wäre Deutschland fest in der Hand eines ausgefuchsten Lügenkartells, in dem "echte Profis am Werk" seien. Denn wer ein Interesse an grundlegenden Strukturreformen hat, ist seiner Meinung auch klar:
Rentenreform? Die Versicherungswirtschaft und die Banken würden an der Ausdehnung der privaten Rentenversicherung gut mitverdienen.
Arbeitsbedingungen? Schwacher Kündigungsschutz oder Niedriglöhne seien für viele Meinungsführer aus der Wirtschaft interessant.
Privatisierungen? Hier sieht er Beratungsfirmen und Wirtschaftsanwälte als die Begünstigten.
Um die Öffentlichkeit dazu zu bringen, die drastischen Reformen zu unterstützen oder zumindest zu akzeptieren, müsse immer erst klar gestellt werden, wie furchtbar schlecht es ums Land stehe. Und da habe sich die "Koalition der Willigen“ besonders hervorgetan:
Ob der grüne Politikberater Oswald Metzger ("Einspruch! Wider den organisierten Staatsbankrott“), ifo-Präsident Hans-Werner Sinn ("Ist Deutschland noch zu retten?“) oder Spiegel-Journalist Gabor Steingart ("Deutschland — der Abstieg eines Superstars“) — sie alle hätten mit ihren Werken entscheidend zum schlechten Bild der Deutschen über ihr eigenes Land beigetragen.
Selbst die unsinnigsten Behauptungen gewännen an Glaubwürdigkeit, wenn die von so unterschiedlichen Autoren verbreitet würden, findet Müller.
Eurodealer schrieb:
QUOTE:
Ein Plädoyer gegen den deutschen Reformmarathon
Das irritiert: Nationalökonom Albrecht Müller ist der Meinung, dass es um den Standort D gar nicht so schlecht steht. Und dass es noch besser laufen könnte — und zwar ohne große Reformen.
Gewollt werde der Bürger mit einer Reihe von "Denkfehlern, Mythen und Legenden“ konfrontiert: Denn weder sinkende Geburtenzahlen noch die Globalisierung seien ein unbekanntes Phänomen — seit den 70ern gingen die Geburtenzahlen zurück, und die Globalisierung sei spätestens seit dem Zeitalter des Imperialismus' ein alter Hut.
Trotzdem werde den Leuten das Gefühl vermittelt, es müssten schnell Lösungen für diese "neuen" Probleme gefunden werden.
Negative Schlagzeilen machen reformwillig
Auch die bei Unternehmenslenkern beliebten Forderungen "zurück mit der 40-Stunden-Woche“ und "mehr Arbeit fürs gleiche Geld“ seien fadenscheinig.
Tatsächlich betrage die durchschnittliche Arbeitszeit der Deutschen wegen betrieblicher Sonderregelungen oder unbezahlter Überstunden ohnehin schon 39,9 Stunden, und die Reallöhne seien in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gefallen — ohne dass dadurch mehr Arbeitsplätze geschaffen worden seien.