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Aw: Globalisierung (1 Leser) (1) Gast
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THEMA: Aw: Globalisierung
#420
Eurodealer (Admin)
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Aw: Globalisierung vor 2 Jahren, 4 Monaten Karma: 0  
1996 schlug das Buch Die Globalisierungsfalle ein wie eine Bombe und verkaufte sich mehr als 600.000 Mal

Seitdem diskutiert man über »Globalisierung«. Der globale Countdown beschreibt nun, wie die Globalisierung gezähmt werden kann, welche enorme Kraft dabei die neuen sozialen Bewegungen entfalten und wer die Akteure sind, die sich dem Projekt Weltgesellschaft entgegenstellen.

Die Globalisierung hat eine neue Dimension erreicht. Völker und Staaten sind in einer gegenseitigen Abhängigkeit miteinander verbunden, wie es sie noch nie gab. Doch das neue Weltsystem ist bedrohlich instabil: Die Finanzmärkte stehen vor dem Kollaps und bedrohen die Weltwirtschaft mit einer globalen Krise. Der wachsende Energiebedarf provoziert Konflikte um den Zugang zu Öl- und Gasreserven. Der Klimawandel bedroht Millionen mit Hunger, Naturkatastrophen und Vertreibung.
Weil die Regierungen bei der Regulierung der globalisierten Ökonomie versagt haben, ist zugleich ein unberechenbarer politischer Brandherd entstanden: Die Menschheit teilt sich zusehends in wenige Gewinner und viele Verlierer. In den Wohlstandsstaaten verarmen die Mittelschichten, während die Eliten ihre Einkommen vervielfachen und der Besteuerung entziehen. In den Schwellenländern des Südens findet nur eine Minderheit Anschluss an die globale Verbraucherklasse, Milliarden bleiben von den Früchten der Globalisierung ausgeschlossen. Religiöse Heilslehren und Nationalismus sind auf dem Vormarsch. Und immer mehr Menschen rufen nach wirtschaftlicher Abschottung gegen die neuen Konkurrenten aus Asien und Lateinamerika.
So droht erneut, wie schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts, ein gewalttätiger Abbruch der Globalisierung durch Handels- und Ressourcenkriege. Die Durchsetzung von mehr Gerechtigkeit wird zur Überlebensfrage für den globalisierten Kapitalismus. Nur wenn Einkommen, Steuern und die Lasten des unvermeidlichen Umbaus der Energieversorgung fair verteilt werden, lassen sich die politischen und wirtschaftlichen Risiken beherrschen.

Die globale Vernetzung zwingt den Lenkern in Politik und Wirtschaft eine planetare Perspektive auf. Eine Weltgesellschaft ist im Entstehen, und weltweite Kooperation wird politischer Alltag. Aber reicht die Zeit, um die Weichen richtig zu stellen? Der globale Countdown läuft.

Nach dem Bestseller Die Globalisierungsfalle nun Der globale Countdown
 
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#539
Eurodealer (Admin)
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Aw: Globalisierung vor 2 Jahren, 2 Monaten Karma: 0  
In der Lehmschicht

Peanuts, Heuschrecken - und nun ist es die "Lehmschicht" aus Angestellten in der Verwaltung, die Siemens-Chef Löscher abtragen will. Wieder macht ein einziges Wort den Deutschen klar, was sie bislang nicht verstanden hatten.
Ein Kommentar von Ulrich Schäfer

Es gibt in der Welt der Wirtschaft bisweilen Entwicklungen, die niemand versteht - außer den Eingeweihten. Doch dann kommt jemand und übersetzt mit einem Wort, was die Öffentlichkeit nicht begriffen hat.

Der damalige Chef der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, sprach von "Peanuts", als 1994 der Baulöwe Jürgen Schneider pleite ging und Dutzende Handwerker ihr Geld nicht mehr bekamen.

Kopper entlarvte auf diese Weise, wie unwichtig der Bank ihre mittelständischen Kunden sind. Franz Müntefering, seinerzeit SPD-Vorsitzender, prägte im Frühjahr 2005 den Begriff der "Heuschrecke" und verhalf damit aggressiven Fonds, die deutsche Firmen kaufen und teils fleddern, zu plötzlicher Berühmtheit; als Hedgefonds oder Private-Equity-Gesellschaften, wie sie im Branchenjargon heißen, hätten diese Fonds es keinesfalls auf die erste Zeitungsseite oder in die Tagesschau gebracht.

Und nun kommt Siemens-Chef Peter Löscher daher und redet von einer "Lehmschicht", die es abzutragen gelte. Die Lehmschicht: Das sind jene Menschen bei Siemens (und auch in anderen Unternehmen), die man gemeinhin nicht sieht, die normalen Angestellten in der Verwaltung, die Referenten und Sachbearbeiter, die untere und vielleicht auch noch die mittlere Führungsebene.

Die Mittelschicht

Sie sitzen in klimatisierten Büros, nicht in stickigen Fabriken; sie wickeln den Papierkram ab, der inzwischen zum Computerkram geworden ist; sie buchen Reisen und Rechnungen; sie sitzen im Herzen von Siemens, recht nahe an der Macht, aber oftmals weit weg von der Produktion, von den Fabriken, von den Märkten.

Die Lehmschicht: Es gibt sie in vielen deutschen Unternehmen. Bei der Allianz. Bei der Deutschen Bank. Bei Volkswagen. Bei der Telekom. Bei der Post. Bei der Bahn. Man könnte sie auch als Mittelschicht bezeichnen. Denn ihre Mitglieder sind - neben den Facharbeitern und den Handwerkern - ein bedeutender Teil jener Schicht, die das Herz der deutschen Gesellschaft bildet. Wenn Löscher diese Schicht abtragen will, hat dies Bedeutung weit über Siemens hinaus.

Der Fall des größten deutschen Industriekonzerns zeigt, dass die Globalisierung in den Fabrikhallen nicht halt macht, dass also nicht nur am Fließband die Arbeitsplätze wegrationalisiert werden, sondern auch an den Schreibtischen. Die Amerikaner haben für diese Beschäftigten den Begriff des "white-collar-worker" geprägt, des Angestellten mit dem weißen Hemdkragen, dem gegenüber steht der "blue-collar-worker", der Arbeiter im Blaumann, der seit dreißig oder vierzig Jahren damit leben muss, dass sein Job ständig in Gefahr ist.

Bei Siemens schweben nun vor allem die Beschäftigten in Weiß in dieser Gefahr. Fast 17.000 Jobs will Löscher in den nächsten Jahren streichen, allein 12.100 davon in der Verwaltung. Und nur ein kleiner Teil davon lässt sich damit erklären, dass Löscher nach der Schmiergeldaffäre kräftig aufräumen muss. So hat er bereits im vergangenen Jahr nahezu den kompletten Vorstand ausgetauscht, nahezu die gesamte zweite Führungsebene gewechselt und die Geschäftsbereiche völlig neu geordnet. Die Zentrale in München hat mehr Einfluss bekommen. Löscher hat den Regionalfürsten einen großen Teil ihrer Macht genommen.

Welt AG statt Deutschland AG

All dies ist dem neuen Siemens-Chef relativ leicht gefallen. Es war nichts verglichen mit jenem erbitterten Kampf, den er nun ausfechten muss. Die Gewerkschaften und die Betriebsräte bei Siemens haben bereits angekündigt, dass sie sich gegen den Stellenabbau stemmen wollen. Sie fühlen sich übergangen, schlecht informiert und teils auch herabgewürdigt. Lehmschicht? Das klingt nach Dreck. Nach etwas, das weg muss.

Die Arbeitnehmervertreter befürchten, dass der Konzern sich nicht darauf beschränken wird, lediglich frei werdende Stellen unbesetzt zu lassen, um so die 17.000 Jobs abzubauen; am Ende dürfte Siemens auch echte Kündigungen aussprechen. Wen es trifft, das muss sich noch zeigen. Doch bei den Siemensianern geht die Angst um, gerade bei jenen in Deutschland. Denn sie wissen, dass der Umbau des Konzerns auch künftig vor allem sie treffen wird.

Dabei hieß es einst, Siemens sei das Aushängeschild der Deutschland AG, der Vorzeigekonzern der deutschen Industrie. Doch diese Aussage hat sich bereits früher bei genauerem Hinsehen als falsch erwiesen. Denn Siemens war schon immer eine Welt AG, zu Hause in 190 Ländern dieser Erde. Verschoben haben sich allerdings die Gewichte innerhalb des Unternehmens. Vor gut zehn Jahren arbeiteten noch weit mehr als die Hälfte der Siemens-Beschäftigten in Deutschland; heute sind es nicht mal mehr ein Drittel. 90 000 Stellen sind seither verschwunden.

Die Welt AG Siemens schafft auch heute neue Jobs - nur nicht mehr in Deutschland, sondern vor allem in Asien. Die Lehmschicht wird also nicht einfach abgetragen, sondern es entstehen, wie bei vielen Unternehmen auch, zugleich am entgegensetzten Ende der Welt andere Arbeitsplätze. Zurück bleiben die Entlassenen und Enttäuschten aus der Mittelschicht, die Arbeiter mit den weißen Kragen. Und von denen wird es, wenn der Aufschwung erst mal vorbei ist, noch weitaus mehr geben.
 
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#709
Eurodealer (Admin)
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Aw: Globalisierung vor 1 Jahr, 9 Monaten Karma: 0  
Preisniveaustabilität

Das die Sicherung des Preisniveaus durch das Sozialprinzip Aufgabe des Staates ist, hat das Bundesverfassungsgericht bereits im Preisurteil 1958 ausgesprochen. Die Stabilität der Preise sichert den Wert der Rechte. Die Inflation entwertet die Vermögen, die Eigentumsschutz verdienen. Auch aus der Eigentumsgewährleistung folgt die Pflicht des Staates, die Stabilität des Geldwertes gegen die Inflation, aber auch gegen die Deflation zu fördern. Weitaus verheerender als die Inflation ist die Deflation, welche eine von ihr betroffene Wirtschaft zum Erliegen bringt. Sie ruiniert die Unternehmen und vernichtet die Arbeitsplätze, beides Eigentum. Sie entwertet
nicht nur alle Vermögen, sondern zerstört diese, zumindest durch eine Währungsreform, wenn nicht durch Krieg. Die Deflation ist die unausweichliche Folge des Kapitalismus, dessen Logik die Zinsnahme und damit die Verschuldung von Staat und Bürgern ist. Art. 14 Abs. 1 GG ist Grundrecht des Bürgers auf Preisniveaustabilität. Seine Substanz erhält die Eigentumsgewährleistung auch durch das Sozialprinzip. Der globale Kapitalverkehr entzieht die preisliche Stabilitätspolitik der Staatsgewalt der Völker, auch der gemeinschaftlich durch die Europäische Gemeinschaft ausgeübten Staatsgewalt. Die globalen Kapitalbewegungen sind derart immens, dass ihr eine nationale, aber auch eine gemeinschaftliche Währungspolitik machtlos gegenüberstehen. Die globale Liberalisierung des Kapitalverkehrs behindert somit die Verwirklichung des preisniveaurechtlichen Sozial- und Eigentumsprinzips und noch mehr die Stabilität der preisniveaugemäßen Kaufkraft der Bevölkerung, weil sie zulässt, dass das Kapital ein deflationsgefährdetes Wirtschaftsgebiet flieht, anstatt dass seine Eigner es investieren.
 
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