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Milliardenfehler und Millionengehälter: Manager am Pranger
Berlin (dpa) - Viele Jahrzehnte sonnte sich die deutsche Manager-Elite in einem guten Ruf. Die Macher der Deutschland AG trieben nach dem Krieg gemeinsam mit der Politik den Strukturwandel voran. Sie schmiedeten neue Konzerne und verteilten lukrative Posten.
Doch die guten alten Zeiten sind vorbei. Das Image der Firmenchefs ist ramponiert: Millionen-Abzocke bei Mannesmann, Rotlicht-Affäre bei VW, Schmiergeld-Skandal bei Siemens, Milliardenversagen der Banken. Vorstände und Aufsichtsräte, die nach groben Fehlern als goldenen Handschlag noch Millionenprämien oder Aktienoptionen bekamen, haben die Öffentlichkeit empört. Als vorläufiger Höhepunkt sorgte am Donnerstag der Fall Klaus Zumwinkel nicht nur an der Börse, sondern auch im politischen Berlin für Aufregung.
Zwar wollte sich öffentlich kein Spitzenpolitiker äußern. In den Bundestagsfraktionen gehörte der Fall aber zum Tagesgespräch. Sollte am Vorwurf der Steuerhinterziehung gegen den Post-Chef etwas dran sein, würde das im Beziehungsgeflecht von Politik und Wirtschaft erhebliche Erschütterungen auslösen - Zumwinkel ist nicht irgendwer.
Der 64-Jährige gibt bei den wichtigsten früheren Staatskonzernen, bei denen der Bund noch immer Großaktionär ist, den Ton an: Auf dem Chefsessel der Post und als Vorsitzender des Telekom-Aufsichtsrates. Der als SPD-nah geltende Topmanager hat ins Kanzleramt beste Drähte. Ob Helmut Kohl (CDU), Gerhard Schröder (SPD) oder Angela Merkel (CDU) - egal, wer regiert, Zumwinkel war und ist wichtiger Ratgeber. Zuletzt zog er beim Post-Mindestlohn mit an den Strippen. Damit brachte er Union und Post-Konkurrenten gegen sich auf.
Mit Zumwinkels Machtfülle und wirtschaftspolitischem Einfluss konnte sich in den vergangenen Jahren unter den DAX-Chefs nur Ex-Siemens-Boss Heinrich von Pierer messen. Dessen Stern glänzt zwar durch die Schmiergeldaffäre des Münchner Konzerns nicht mehr so hell. Er firmiert aber noch als Berater der Kanzlerin.
Merkel selbst hatte sich Anfang Dezember an die Spitze der Kritiker der Managerkaste gesetzt. Auf dem CDU-Parteitag in Hannover geißelte sie hohe Abfindungen für erfolglose Vorstände. Dass die Regierung dem Treiben per Gesetz ein Ende macht, lehnt Merkel ab. Anders die SPD: Dort prüft eine Arbeitsgruppe, ob nicht wenigstens die steuerliche Absetzbarkeit der Abfindungen für «Nieten in Nadelstreifen» eingeschränkt werden kann.
Merkel knüpfte ihre Kritik an die Erwartung, dass die Wirtschaft selbst auf mehr Eigenkontrolle und Anstand in den Vorstandsetagen achtet. Nicht nur die Kanzlerin fürchtet, dass wegen der Skandale die soziale Gerechtigkeit als Kitt der Marktwirtschaft brüchig werden könnte. Laut Umfragen glauben nur noch 15 Prozent der Menschen, es gehe gerecht zu in der Gesellschaft.
Die Turbulenzen an den Finanzmärkten und bei den Banken tragen zur Verunsicherung bei. In Frankreich konnte ein einzelner Aktienhändler bei einer Großbank unkontrolliert fast fünf Milliarden Euro in den Sand setzen. Bei deutschen Banken wie SachsenLB, WestLB oder IKB rissen Manager mit hoch spekulativen Geschäften am US-Immobilienmarkt riesige Löcher in die Bilanzen, die jetzt mit Steuermilliarden gestopft werden müssen.
Zusätzlich sind die Menschen wegen der negativen Folgen der Globalisierung beunruhigt. Rund 2300 Nokia-Beschäftigte in Bochum verlieren bald ihren Job, weil der Handy-Konzern trotz eines Gewinns von 7,2 Milliarden Euro ins billige Rumänien weiterzieht. Für den sozialen Frieden wäre es Gift, wenn Millionen Beschäftigte dauerhaft ihr Vertrauen in die Kompetenz und moralische Integrität ihrer Chefs verlieren würden.
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